Wandern auf den Spuren des Tigers

Mir tun die Beine weh. Damit muss dieser Beitrag einfach anfangen. Denn so atemberaubend die Landschaft der Tigersprungschlucht auch war, so gewinnbringend die Erfahrung auch sein mag – jetzt sitze ich gerade im Garden Inn Hostel in Lijiang und das vorherrschende Gefühl ist: Mir tun die Beine weh.

IMG_5491Und so muss das wahrscheinlich auch sein nach einer Wanderung. Und was haben wir für eine Wanderung hinter uns! Gestern sieben Stunden durch Yunnans Berglandschaft, heute der steile Abstieg zum Fluss Jangtsekian (長江).

Morgens um halb Acht sind wir mit einer Gruppe von etwa zehn Leuten mit dem Bus in Richtung Tigersprungschlucht (虎跳峡)gefahren. Nach zwei Stunden wurden wir dann im scheinbaren Nirgendwo abgesetzt. Die ersten Meter waren enttäuschend, enttäuschend befahren von kleinen Traktoren auf dem Weg ins nächste Dorf. Doch dann wurde es schnell abenteuerlicher. Die Gruppe hat sich relativ zügig zerteilt, sodass Andi und ich nur noch den schmalen, steinigen Weg mit seinen wenigen Ausschilderungen vor uns hatten.

tiger1Zu dieser Jahreszeit war der Weg tatsächlich angenehm wenig belaufen. Ab und an haben wir die Mitglieder der Gruppe getroffen, mit denen man hätte reden können. Und alle paar Kilometer gab es Wasser zu überhöhten Preisen zu kaufen. Der Großteil der Wanderer waren Europäer. Die Chinesen wandern nicht gern. Zwei junge Chinesen haben wir am Ende über den Steinpfad springen sehen, sonst haben wir kaum jemanden aus Asien getroffen. Und wenn doch, dann eher zu Pferd als zu Fuß.

Der Weg durch die Schlucht führt immer eng an der Klippe vorbei, den 長江 immer zur Rechten, zur Linken den Berg. Quasi allein durch die Natur wandern – das kenne ich sonst nur aus PC-Spielen. Und tatsächlich musste ich – auch wenn das für echte Wanderer jetzt traurig klingt – manchmal an Gothic, Oblivion und ko denken. Und bei der Überquerung mancher Bergpässe haben wir uns unweigerlich eingebildet die Herr-Der-Ringe-Musik zu hören. Das sind eben die Geschichten unserer Zeit.

IMG_5544Die offizielle Geschichte ist die mit dem Tiger. Der Sage nach ist in dieser Schlucht ein Tiger so weit gesprungen wie niemals zuvor, bis ans andere Ufer des 長江. Daher hat die Schlucht ihren Namen.

Und nicht nur deshalb wollten wir unbedingt runter klettern, zum Ufer des 長江. Der Abstieg von Tinas Hostel kostet neben 10 ¥ auch etwas Mut. Teil davon sind viele wackelige Steine und eine ebenso wackelige Leiter, windige steile Pfade und eine Holzbrücke wie aus Indiana Jones. Unten angekommen wurden wir dafür mit dem Blick auf den reißenden Fluss beschenkt, in den man lange gedankenverloren hineinstarren kann ohne dass einem langweilig wird.

Danach kam der Aufstieg, auch im wörtlichen Sinn. Und das führt mich zurück zum Anfang. Bei der Wanderung durch die Tigersprungschlucht habe ich wunderschöne Landschaften gesehen, ein bisschen was über mich selbst gelernt und die Magie Yunnans gespürt. Und jetzt tun mir die Beine weh.

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