Am Grab des Meisters in Qufu

Die Heimat, gleichzeitig Geburts- und Sterbeort, des großes Meisters ist eine kleine Stadt mit dem Namen Qufu in der Provinz Shandong. Der Meister, der erste Lehrmeister überhaupt und wichtigster Philosoph Chinas, hat hier gelebt und gelehrt. Vor mehr 2000 Jahren wurde er in Qufu begraben. Heute haben wir sein Grab besucht. Das Grab vom großen Konfuzius.

qu4Das Grab selbst ist eines von vielen tausenden im Konfuzius-Hein, einem der drei Dinge die in Qufu an das Wirken von Konfuzius erinnern. Die anderen sind die Kong-Residenz und der Konfuzius-Tempel, die wir uns beide morgen ansehen. Es ist ein unspektakuläres Hügelgrab, bewacht von zwei steinernen Wächterstaturen; jene Staturen, die in Filmen oder Spielen dann irgendwann lebendig werden, wenn die Totenruhe gestört werden sollte. Heute blieb alles ruhig.

Der Konfuzius-Hain liegt nur zwei Kilometer nördlich der kleinen Altstadt von Qufu. Den Weg dahin konnten wir also gut (aber wenig bequem) mit einem Mofa-Taxi zurücklegen. Diese kleinen klapprigen Dinger fahren durch die gesamte Altstadt und drängen sich Touristen wie uns ständig auf. Drinnen spürt man jeden Huckel auf der Straße und kommt sich ein bisschen so vor wie in einer alten Kutsche.

qu2Der Hain ist der am besten erhaltene Friedhof Chinas. Es ist ein großes Gelände mit vielen Bäumen, vielen Grabhügeln und einigen Steinfiguren. Die Bäume haben ihre Blätter verloren, der Friedhof wirkte kahl und etwas unheimlich; aber auch schön. Besonders die Steinfiguren, meistens Tiere aus den chinesischen Tierkreiszeichen wie Pferd oder Ziege (ich bin die Ziege), mystifizierten den Ort an dem Konfuzius und seine Familie begraben ist.

Konfuzius und der Konfuzianismus spielten in China eine enorme Rolle. Im Fach „Chinesische Kultur“ drehe sich alles um ihn und seine Lehren. Auf dem Stundenplan der chinesischen Schüler fehlt das allerdings. Es gibt auch keinen Ersatz wie Religion oder Philosophie. Ein Grundschullehrer, der bei uns der Klasse zu Gast war, beklagt das und sagt, daher erlebe China einen Werteverfall. Für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Chinas gäbe es keine Wertebasis mehr, was höchst problematisch sei. Ob es wirklich einen Werteverfall gibt in China, oder ob sich die ganze Aussage mehr im Sinne des üblichen Generationenkonfliktes einordnen lässt, vermag ich hier nicht zu beurteilen.

qu5Das Essen in Qufu ist toll. Mit seiner Schärfe hat es etwas von Chongqing, die Küche hat aber viele eigene Ideen. So zum Beispiel lecker gewürztes Schweinefleisch mit Zwiebeln und Gurke, eingerollt in einem Tofu-Röllchen. In Deutschland würde ich ihn nicht anrühren, in China esse ich Tofu sehr gerne. Vegetarier müssen allerdings damit klarkommen, dass er oft in tierischem Fett beraten wird, außerdem wird er gerne mit Hackfleisch serviert. Vegetarisches Essen kennt man überhaupt nur in Hong Kong und Shanghai.

Auch lecker: Nudeln im Topf; das Topping (also was oben drauf kommt in der Schüssel) legt man sich selbst dazu. Im Ergebnis ergibt das lecker gewürzte Nudeln mit frischen Zutaten, die noch ordentlich Biss haben. Dazu wird kurioser Weise Popcorn gereicht. Großes Kino.

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