Konfuzius Spuren in Qufu

qu8Ein junger Schüler sitzt zusammen mit einem älteren Herrn auf den kalten Stufen des Konfuzius-Tempels und der Mann erklärt dem Jungen die Weisheiten des Lebens, wie es schon Konfuzius an dieser Stelle vor mehr als 2500 Jahren getan hat. Das Licht der Abendsonne erhellt ihre Gesichter, der Junge lacht, er hat gelernt vom Meister. Eine schöne Szene. Leider ist sie nicht echt, denn die beiden posieren nur für Fotografen.

Anschließend wurden wir dazu gebeten. Die nächste Szene: zwei ausländische Studenten hören dem Meister zu wie er über den Tempel und seine Geschichte spricht – auch Chinesisch. Wir haben kein Wort verstanden, aber brav zugehört.

qu9Der Konfuzius-Tempel (孔庙)in Qufu (曲阜)bietet eine tolle Kulisse für solche Schauspiele. Er nimmt ein Fünftel der gesamten Altstadt ein und zieht sich lang von Süden nach Norden. Im Herzen steht eine große Halle, vor der verblüffend gestaltete Säulen um die sich Stein-Drachen schlängeln die Aufmerksamkeit von der Konfuzius-Statur im Inneren ablenken. Die Tempelanlage wurde stetig erweitert, bis sie zur zweitgrößten Tempelanlage Chinas wurde, nach der Verbotenen Stadt in Peking.

qu7Vor den Toren übt eine Gruppe älterer Männer Tai Chi (太迟). Sie tragen graue Gewänder, der Meister hat eine Glatze. In ihrem Rücken der pompöse Eingang; sie blicken der Sonne entgegen. Eine schöne Szene. Und leider – wie sollte es anders sein – wieder nicht echt.

Aber dieses Mal könnte sie es sein. Denn Tai Chi oder andere Kampfkünste werden tatsächlich gerne im Freien geübt. Zwar nicht zwangsläufig am Hain von Konfuzius, dafür aber auf Parkplätzen, Parks oder an Seen. Überall wo genügend Platz ist, wo auch getanzt und geredet wird, dort wird zeitweilen auch Tai Chi geübt. Und da die Kampfkünste Chinas untrennbar mit der Philosophie verbunden sind, gehören auch Tai Chi und Konfuzius zusammen. Dass die nächste Szene davon handeln sollte, dass zwei ausländische Studenten… usw., ist eigentlich selbsterklärend.

Direkt neben dem Tempel befindet sich die Residenz der Familie Kong. Die Nachfahren von Konfuzius wurden geadelt und waren fortan eine mächtige Familie, die Qufu als autonome Stadt kontrollierte, inklusive eigenen Steuern. Die Residenz erinnert an diese Zeit durch ihre Größe. Man kann sich gut verlaufen. Großen Luxus kann man dort aber nicht finden. Außerdem weiß man wie immer nicht was alt und was neu ist, weil die Aufbereitung relativ willkürlich erfolgt.

Neben der Residenz wiederum gibt es eine kleine Straße, in der es viel leckeres zu Essen gibt. An den vielen kleinen Ständen kann man sich für wenig Geld durchprobieren. Es gibt zum Beispiel eine gebratene Teigrolle, so ähnlich wie eine türkische Pizza, die wahlweise mit Fleisch, Ei oder Salat gefüllt wird. Die Gemüse-Version schmeckt wie eine große scharfe Frühlingsrolle.

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