Auf der Großen Mauer

mauer1Jetzt bin endlich ein Mann – zumindest wenn es nach Mao Zedong geht. Denn gestern habe ich die große Mauer (萬里長城), bei uns bekannt als Chinesische Mauer, bestiegen. Und erst wer das gemacht hat, ist laut Mao ein Mann. Wie an vielen Sehenswürdigkeiten sieht man auch hier Männer, die voller Stolz – aber in merkwürdig schlaffer Körperhaltung – posieren für ein Foto, das nachher ins Büro gestellt wird.

Ich fühle mich allerdings nicht männlicher, sondern nur ein bisschen müde. Der Aufstieg hat sich gelohnt. Wir haben den meist besuchten Abschnitt der Mauer in Badaling (八達嶺鎮) besucht. Hier hat sich schon Königin Elisabeth das inoffizielle Weltwunder angesehen.

Wenn es keine Männer sind, die fürs Büro-Foto posieren, sind die Chinesen bei Fotos kreativ und verspielt. Da wird in Karate-Kid-Manier auf der Großen Mauer das Bein so hoch getreten, wie man es halt noch bekommt. Neben dem bekannten Peace-Zeichen sind Sprung-Fotos a la High-School-Musical beliebt. Viele sind einfach dadurch cool, dass sie nicht versuchen cool zu sein.

mauer3Zum einen ist dieser Abschnitt besonders gut restauriert, zum anderen besticht er durch jene Szenerie, die man aus Filmen kennt: Die Mauer schlängelt sich elegant über die vielen kleinen Berggipfel und windet sich eine Schlange. Dazwischen stehen alle 50 Meter Wachtürme. Die vielen Berge sorgen dafür, dass der meiste Teil der begehbaren Strecke aus Stufen besteht. Der Weg auf der Mauer kann steiler sein als die Hänge der Tigersprungschlucht.

Zu dieser Jahreszeit ist am wenigsten los und dennoch ist man noch lange nicht allein auf der Chinesischen Mauer. Trotzdem kann man sich fühlen wie einer der 300.000 Soldaten, die hier einst Patrouille liefen. Der eiskalte Winter hat den Vorteil, dass viele Touristen weg bleiben. Und die, die doch kommen, verlaufen sich auf dem langen, begehbaren Abschnitt doch ganz gut. Die steilen Abschnitte sorgen dann dafür, dass man eher in Schwitzen kommt als ins Frieren.

Nur einige wenige restaurierte Abschnitte der Mauer sind für Touristen zugänglich. Andere sind verfallen oder werden noch restauriert.

Das war übrigens meine einzige Chance die große Mauer zu sehen. Ich wurde nämlich belehrt, dass man die Chinesische Mauer NICHT aus dem Weltraum sehen kann. Wie auch? Sie ist viel zu dünn.

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