Update: Der Hobbit – eine unerwartete Reise

Gesehen von Andreas Mutschke am Mittwochabend im Cinestar Bielefeld.

Positiv: keine Filmpause trotz fast 3 Std Länge

Zu den Darstellern: Martin Freeman als Bilbo hat mir sehr sehr gut gefallen. Von der ganzen Körpersprache, Stimme etc eine außerordentlich stimmige Besetzung. Ian McKellen als Gandalf ebenso perfekt, auch wenn er eine andere Synchronstimme hat als beim HdR und auch Cate Blanchett und Andy Serkis sind wieder super. Extrem gut gefallen hat mir auch Radagast, der Braune, den die Gruppe unterwegs trifft – toll umgesetzt.
Zum Film: fängt furios und bildgewaltig an mit dem Angriff des Drachen, aber dann wird die Handbremse gezogen und das von uns bereits befürchtete Problem wird deutlich, dass der Buchinhalt sehr gestreckt wurde, um auf drei Teile zu kommen. Es gelingt dem Film nicht, die Spannungskurven und die Dramatik der einzelnen Zwischenabenteuer, Kämpfe, Gefahrsituationen usw wie im HdR umzusetzen. Aufwändig wie immer gedreht, aber meines Erachtens überflüssig z.B. muss man trotz wunderbarer Kulissen und Landschaftsaufnahmen nicht unbedingt 5 Minuten lang verfolgen müssen, wie die Gruppe durch die Landschaft zieht. Und auch die in die Länge gezogenen Dialoge – sei es zwischen den Trollen, Zwergen oder anderen – nerven doch ziemlich.
Man kann keinesfalls sagen, dass das ein schlechter Film ist, aber man hat natürlich immer unweigerlich den HdR im Kopf und das ist ohne Frage ein Meisterwerk, das kaum zu toppen ist und da kommt Der Hobbit aufgrund der mangelnden Dramaturgie einfach nicht dran.
Was mich sehr gestört hat, ist die misslungene Gratwanderung zwischen Kinderbuch und Actionfilm. Soll heißen, dass viele Szenen inhaltlich wie ein Puppentheater wirken wie beispielsweise die z.T. infantilen Dialogszenen, Aktionen und Gesänge der Zwerge und andere Szenen wieder heftig und brutal sind, wo diverse Körperteile durch die Luft fliegen und das Blut in Strömen fließt.
Zur Technik: da waren wir gestern unterschiedlicher Meinung, denn ich persönlich fand die 3D-Effekte in Ordnung, während andere unserer Truppe meinten, darauf hätte man gut verzichten können. Einig waren wir uns aber darin, dass die neuartige 48 Bilder/sek – Technik den Film viel zu perfekt gemacht hat. Das Ganze wirkt über weite Strecken eher wie ein gut gemachter Zeichentrickfilm und wirkt trotz oder besser: wegen der aufwändigen Filmtechnik total ‚leblos‘.
Fazit: der ‚Zauber‘, den man nach dem HdR aus dem Kino mit nach Hause genommen hat, wird man hier vermissen. Teilweise sehr gute Szenen (z.B. der Kampf der Steinriesen, die Flucht von Radagast vor den Orks, Gollum und Bilbo in der Höhle etc), aber diese Szenen tragen den Film nicht über die Länge von drei Stunden. Na klar bin ich auch gespannt, wie es im nächsten Teil The Desolation of Smaug weitergeht und werde mir den sicher ansehen, aber das Gefühl nach dem ersten HdR-Teil, dass man die Fortsetzung kaum erwarten kann, ist nicht da. Sehenswert: ja, aber die Erwartungshaltung wird definitiv nicht erfüllt.
Die Buchvorlage hätte vermutlich einen grandiosen Einteiler hergegeben bei dem die Dramaturgie aus stimmungsvoller Mittelerde-Atmosphäre und furiosen Actionsequenzen stimmt, aber 3 Teile gibt das nicht her. Im Moment kann ich mir tatsächlich nicht vorstellen, wo zu der ohnehin schon arg strapazierten Story noch die angekündigten 20-25 Minuten zusätzlichen Filmszenen herkommen sollen, die bereits für die Special Extended Edition angekündigt sind.
Des weiteren bringt die aufwändige Drehtechnik leider keinen Gewinn, wobei wir das noch nicht einmal in der Topversion gesehen haben, denn neben 3D und HFR ist Der Hobbit auch noch in DOLBY ATMOS gedreht worden, was man sich aber im Moment Deutschlandweit nur im Cinecitta Nürnberg ansehen oder besser: anhören kann. Das Motto der Macher für die Kinofassung „Mehr Kino geht nicht!“ wurde damit zwar erfüllt, aber ich glaube, hier wäre weniger tatsächlich mehr gewesen – in jeder Hinsicht.

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